RAW-Lager Neuaubing
Im westlichen Münchner Stadtteil Neuaubing, in der heutigen Ehrenbürgstraße 9, existieren noch acht Baracken eines ehemaligen NS-Zwangsarbeiter*innenlagers. Während des Zweiten Weltkriegs waren hier bis zu 1.000 Zwangsarbeiter*innen untergebracht, die im Reichsbahnausbesserungswerk der Deutschen Reichsbahn (RAW) arbeiten mussten. In den Quellen tauchen verschiedene Bezeichnungen des Geländes auf, häufig „RAW-Lager“. Das Lager wurde im Mai 1942 eröffnet und bis 1945 schrittweise ausgebaut. Von den elf projektierten Baracken wurden bis Kriegsende neun fertiggestellt. Zunächst waren im RAW-Lager ausschließlich zivile Zwangsarbeiter*innen aus der Sowjetunion („Ostarbeiter“) untergebracht. Zwangsarbeiter*innen aus anderen Ländern, die bei beim RAW arbeiten mussten, waren an anderen Standorten in und um das Werk untergebracht. Im späteren Kriegsverlauf wurden vermutlich aus Kapazitätsgründen auch andere Gruppen dort untergebracht – nachweislich Italienische Militärinternierte (IMIs) sowie polnische Zwangsarbeiter*innen, möglicherweise auch Niederländer*innen. Es ist wahrscheinlich, dass das RAW-Lager im letzten Kriegsjahr voll oder gar überbelegt war. Ab den späten 1940er-Jahren wurde die Baracken als Lehrlingswohnungen von der Bahn genutzt. Ab den 1970er-Jahren kamen zunehmend gewerbliche, soziale oder kulturelle Nutzungen hinzu.